Vertrauen

Neulich hatte ich ein Gespräch mit zwei Freunden. Mia, verheiratet mit Mann David und Laurent, verlobt mit Partner Daniel. Wir sassen in einem Café bei Zürich und unterhielten uns über die aktuellen Geschehnisse in unserem Liebesleben. Dabei fiel ein Thema in unserem Gespräch: Vertrauen.

Mia zu mir: „Sag, mal vertraust du deinem Partner, auch wenn ihr euch nicht so häufig sieht?“ Klar, tue ich das. Wieso auch nicht? Daraufhin meinte Laurent: „Hast du keine Angst, dass er fremdgeht? Wie oft seht ihr euch? Einmal die Woche? Ich würde da durchdrehen.“

Legen wir die Karten auf den Tisch. Ich vertraue meinem Partner, auch wenn ich eifersüchtig sein kann, was ich zuvor nie von mir gedacht hätte. Früher war für mich alles «easy going». Doch je länger man Zeit mit seinem Partner verbringt und sich besser kennenlernt, entstehen da Gefühle, die vorhin nicht da waren. Zu Beginn meiner Beziehung habe ich mir nichts dabei gedacht, wenn sich andere Gays meinem Partner um den Hals warfen und sie sich freundschaftlich einen Kuss gaben. In meiner Clique tuen es ja auch alle, und ich denke mir da nichts dabei. Aber wenn zum Beispiel Alkohol im Spiel ist, und aus dem Kuss ein Zungenkuss wird, da wird’s selbst in mir drin brenzlig.

Bin ich dann eifersüchtig? Ja. Und das ist auch gut so. Wer eifersüchtig sein kann, zeigt dass ihm etwas an seinem Partner liegt und er ihn liebt.

Klar mache ich mir auch Gedanken darüber, was mein Freund gerade macht und mit wem er gerade unterwegs ist. Es war zu Beginn nicht immer alles ok, weil da ein paar kleine Missgeschicke passiert sind und dadurch mein Vertrauen zu ihm einen Knick bekam. Aber wir lernten mit der Zeit über unsere Fehler zu reden mit klaren Aussichten, wie wir unsere Beziehung führen möchten, was uns wichtig ist.

Heute habe ich volles Vertrauen zu meinem Partner, auch wenn es mir mal schwer fällt, dass er nicht in meiner Nähe ist. Aber ich weiss, dass ich mich auf ihn verlassen kann und mir deshalb keine unnötigen Sorgen machen muss.

Aber! Es gibt dann solche «kranke Eifersucht», die den Partner in die Ecke drängt und ihm Dinge verbietet, weil man Angst hat, er könnte fremdgehen.

Eifersucht gibt es nicht nur in Liebesbeziehungen. Auch im freundschaftlichen Alltag. Ich erinnere mich, dass ich vor Jahren eine Kollegin hatte, die ständig rumnörgelte, wenn ich auf einer Feier mit meinen Freunden oder mit meinem Partner aufgetaucht bin. Darum, weil sie für mich dann nicht mehr im Mittelpunkt war. Solch eine krankhafte Eifersucht, kann eine Freundschaft schnell beenden, was dann leider auf passierte.

«Und genau deswegen, führen wir eine offene Beziehung“, meinte Laurent. „Ich kann nicht garantieren, dass mein Partner mir ewig treu ist. Darum führen wir eine offene Beziehung. Wir beide haben jeweils einen Lover. Allerdings gilt eine Regel: Kein Sex in unserem Haus und kein Küssen. Ich bin treu, aber ich weiss, dass Daniel es nicht sein kann und drum haben wir von Anfang an gesagt, dass wir nur in einer offenen Beziehung funktionieren. Schliesslich will ich ihn nicht verlieren.“

Ich persönlich respektiere jeden, der eine offene Beziehung führt. Ich dagegen könnte es nicht. Ich möchte meinen Partner ungern mit jemandem teilen. Aber da hat jeder seine eigene Meinung. Ich fragte ihn: „Ist es dann wirklich wert, über seinen Schatten zu springen und sich für eine offene Beziehung zu einigen, nur damit man den Partner nicht verliert oder, damit man nicht alleine ist? Ist das denn noch Liebe?“ Die Frage blieb offen.

Mia meinte: „Bevor ich David geheiratet habe, hatten wir eine zehnjährige Fernbeziehung und wurden dabei hart auf die Probe gestellt. Es war nicht immer leicht und auch hier musste ich ihn vertrauen. Wir uns gegenseitig. Ich weiss selbst heute nicht, ob er mir damals wirklich treu war oder sich mit anderen Frauen vergnügt hat.“

Vertrauen ist ein wichtiger Bestandteil einer Beziehung. Wer seinem Partner nicht vertrauen kann, muss sich gut überlegen wie er/sie die Beziehung aufrecht halten will.

Fazit: Jeder hat seine eigenen Ansichten wie und ob er/sie seinem Partner vertraut. Wenn mich was stört, spreche ich es offen an. Auch wenn es mir manchmal schwerfällt oder es peinlich ist, aber wenigstens weiss man woran man ist und was sein Gegenüber von einem denkt.

Ich habe Euch hier sechs Punkte notiert, wie man eine aufrichtige Vertrauensbasis schaffen kann, damit eine Beziehung funktioniert.

1. Freiraum

Du bist verliebt und willst jeden wunderbaren Moment mit deinem Partner verbringen? Es ist toll, wenn man den ganzen Tag mit seinem Liebsten verbringen kann .Aber brauchst Du nicht auch Zeit für Dich, um was Neues zu erleben? Freiraum ist wichtig. Für beide Seiten. Damit wir den Wert unserer Beziehung zu schätzen wissen.

2. Veränderungen

Wir ermutigen uns gegenseitig dazu, uns weiter zu entwickeln und uns zu verändern, neues zu lernen, zu entdecken. Schliesslich hat man ja nur ein Leben! Wenn Du etwas neues ausprobieren willst, dann solltest du dafür Halt in Deiner Beziehung finden. Ermutige auch Deinen Partner dazu, neue Dinge auszuprobieren und neue Menschen kennenzulernen. Ein neues Umfeld kann Dir neue Ideen und Inspirationen einbringen.

3. Kompromisse

Kompromissbereitschaft ist kein Zeichen von Schwäche. Es heisst nicht, dass Du den Kampf verloren hast, sondern eher das Gegenteil. Sucht nach einer logischen Einigung. Wenn Dein Partner Recht hat, dann steh auch dazu und akzeptiere es. Denn nur so wird Deine Beziehung wachsen.

4. Du musst nicht perfekt sein

Wir sind nicht perfekt. Wir sind alle menschlich und haben unsere Makel. Schliesslich haben wir auch Gefühle und sind keine Roboter, deren Kabel man ausstecken kann, wenn man keinen Bock mehr hat. Dein Partner erwartet nicht, dass du ein Superheld bist, genauso solltest Du dasselbe von ihm/ihr erwarten. Es ist völlig in Ordnung, auch mal Schwäche zu zeigen.

5. Vergeben und Vergessen

Bei einem Streit solltest du nicht darauf achten, wer gewinnt oder verliert. Vergib deinem Partner und Dir selbst, denn Deine Wut wird sonst auf Kosten deiner Beziehung gehen. Geht nicht wütend ins Bett. Sprecht euch aus, seid ehrlich zueinander und fair. Schiebt nicht dem anderen die Schuld zu. Es gehören immer zwei dazu. Egal wie die Situation ist. 

6. Erwarte nichts

Erwarte nichts von Deinem Partner. Manchmal haben wir dieses Verlangen, dass unser Partner gleich tickt oder dasselbe denkt und erhoffen uns dabei, dass er unser Wunschdenken, in Taten umsetzt. Falsch! Wenn Du etwas willst, dann sei ehrlich und spreche es direkt an. Mache ihm/ihr klar, was Du von der Beziehung erwartest, dann wird es für Deinen Partner leichter, auf Deine Bedürfnisse einzugehen.

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  1. Tolle Punkte. Die Eifersucht selber ist ja nicht besonders schlimm. Erst wenn es eine krankhafte Eifersucht wird, dann sollte man sich Hilfe holen.

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