shit.happens

 

Wie oft musste ich mir anhören lassen von meinen Eltern, nicht in eine WG (Wohngemeinschaft) einzuziehen. Tja, hätte ich wohl besser auf sie gehört. Jedoch bereue ich diese Erfahrung nicht. Ich bin aus meiner WG ausgezogen. Natürlich nicht einfach so.

Ich lernte meinen Mitbewohner über einen Kollegen kennen und da ich aus Not eine nähere Bleibe gesucht habe, wegen meinem Job, bin ich in diese WG eingezogen. Allerdings ohne zu wissen, was mich erwartet. Mein Mitbewohner war kein einfacher Mensch, was sich im n

Nachhinein entpuppte. Hat keine Freunde, versteckt sich gerne in seinem Zimmer und hat einen ungesunden Lebensstil. Ich werde nun nicht alle schlechte Fakten aufzählen. Aber es gibt so Punkte, die ich ansprechen möchte, die mir nicht ganz klar sind.

Das Duschen zum Beispiel: Ich dusche maximal 10 min höchstens 12, wenn es sein muss. Als ich eines Abends spät von der Arbeit heimkam, hörte ich meinen Mitbewohner duschen und habe mir nichts Grosses dabei gedacht. Ich habe dann auf die Uhr geschaut und mich gefragt, wieso nach 30min das Wasser noch immer fliesst. Eine Stunde später kam er dann endlich raus. Auf mein Klopfen an der Tür hat er erst gar nicht reagiert. Auf meine Frage, was er so lange in der Dusche macht, meinte er, er schläft gern unter dem Wasser.

WAS FÜR EINE VERSCHWENDUNG!

…sagt mein Kopf. Ich habe ihm dann vorgeschlagen, er könne doch ein Dampfbad im Wellness machen, das wäre wesentlich sinnvoller, als unnötig Wasser zu verschwenden. Wer nun denkt, das wäre bloss eine einmalige Sache, der irrt sich. Dieses Ritual verlief täglich!

Auch seine Essgewohnheiten bringen einem zum Nachdenken. Er behauptet von sich, dass er nicht kochen kann. Was ich verstehen kann. Ich habe ihm dann vorgeschlagen, dass man auf YouTube vieles lernen bzw. nachkochen kann in einfachen Schritten. So habe ich mir das Kochen beigebracht. Er findet jedoch, dass dies unnützlich sei und er sich lieber von seiner Schwester bekochen lässt. D. h. immer, wenn nichts im Kühlschrank ist, bzw. seine Etage leer ist, geht er zu seiner Schwester und verlangt, dass sie für ihn kocht und sie ist ebenso Mutter von drei Kindern. Auch etwas, was ich nicht verstehen kann, wie man sich so gehen lässt. Meine Schwester würde sehr wahrscheinlich durchdrehen, wenn ich jedes Mal an ihre Tür anklopfen würde, wenn mein Magen knurrt. Wasser trinkt er nie und ich meine es wirklich so. Stattdessen war die Küche mit Cola-Flaschen überfüllt. Ich habe immer mit frischen Zutaten gekocht und ihm auch mal zum Essen angeboten, aber er lehnte es immer ab.

Aber kommen wir nun zum eigentlichen Punkt, weshalb ich ausgezogen bin. Ich kam vom Ferienlager mit meinem Team und war auf dem Heimweg. Vor der Haustür bemerkte ich, dass unsere Eingangstür offensteht. Ich habe ihn dann angerufen und gefragt, ob er die Tür vergessen hat abzuschliessen.

Ich wollte meinen Augen nicht trauen als ich in meinem Zimmer stand. Chaos. Meine Kleider lagen zerwühlt auf dem Boden, meine Regenbogen-Fahne, die ich am Fenster aufgehängt hatte, war zerrissen (in Bezug zur JA zu der Diskriminierungschutz-Abstimmung) und zum Entsetzen habe ich festgestellt, dass mein Geld, das ich in einem Safe hatte, geklaut worden war.

Als er dann nach Hause kam und dies sah, wollte er nicht glauben, was da passiert war. Er meinte dann, ihm sei auch Geld gestohlen worden, das er unter der Matratze versteckt hatte. IDIOT, meinte dann mein Kopf. Jedes kleine Kind, das Zeichentrickfilme schaut, weiss doch, dass man kein Geld unter die Matratze versteckt. Das war doch offensichtlich.

Wir haben dann die Polizei alarmiert und die meinten, sie könnten den Rapport zwar aufnehmen aber nichts dagegen unternehmen, weil a) die Tür nicht aufgebrochen wurde und b) keinerlei Spuren vorhanden sind.

Kaum ist die Polizei weg, findet mein Mitbewohner sein Geld unter dem Bett. Was für ein Zufall?! Jedoch weigert er sich, es der Polizei zu melden, weil sonst der Verdacht geschöpft wird, dass die Polizisten umsonst gekommen wären. Ich hätte es machen wollen, aber er wollte nicht, um mehr Stress zu produzieren.

Zwei Tage sind nach dem Vorfall vergangen. Eines Morgens erhielt ich dann eine SMS.

«Glenn. ich will, dass du eine neue Bleibe findest. Dieser Stress geht mir auf den Keks. Ich habe einen neuen Mitbewohner gefunden.»

OH WOW !!!

Das ging ja aber fix. Ich wollte eigentlich schon längst aus der WG ausziehen und hab mir schon einige Wohnungen angeschaut, wollte mir jedoch Zeit lassen.

Ich liess jedoch nicht lange auf mir sitzen und fing an zu packen. Glücklicherweise habe ich die meisten Dinge bereits in Kartons, daher war der Umzug innerhalb von einem Tag bereits erledigt.

Ich habe natürlich auch die Polizei benachrichtigt und während dem Gespräch ist uns beiden aufgefallen: Es klingt nach einem Plan. Während ich weg war, hat er das Geld genommen und mich vor die Tür gestellt. Ganz einfach.

Als ich dann bei der Verwaltung angerufen habe, um mich abzumelden, waren diese erstaunt, dass sie nie was von mir gehört haben. Mein Mitbewohner hat seit meinem Einzug im März 2019 bis Januar 2020 mich nie als Untermieter angemeldet. Ebenso haben wir von Beginn an keinen schriftlichen Vertrag vereinbart. Ich habe ihm jedoch mehrmals vorgeschlagen, dass ich alles auf schwarz und weiss haben möchte, aber er hat es stets vergessen und irgendwann hab ich’s dann sein lassen und bin FROH, dass er es jetzt vergessen hat. Denn die Verwaltung teilte mir mit, dass ich ihnen «auf gut deutsch scheissegal bin» und ich problemlos die Wohnung verlassen kann, denn sie würden mich nicht verfolgen, wenn ich die Miete nicht zahlen würde, weil es unter seinem Namen vermietet ist.

Gesagt, getan. Ich bin innerhalb von zwei Tagen aus dieser Wohnung ausgezogen, habe Hilfe geholt zum Transportieren, geputzt und alle meine Sachen eingepackt. Die Wohnung war komplett leer. Kurz vor meinem Abschied liess ich ein Brief zurück. plus die Miete vom Januar, bin ja kein Unmensch. Freunde meinten im Nachhinein, dass ich ihn für das gestohlene Geld anzeigen soll aber da ich halt ein Gutmensch bin und auch weiss, dass mein Mitbewohner mit anderen Dämonen zu kämpfen hat im Leben, habe ich es sein gelassen.

250 CHF waren weg, die ich für meine Japan-Reise gespart habe, aber lieber ein Ende mit einem Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

 

Was will ich mit meiner Geschichte sagen?

WGs sind toll. Ich würde es wieder machen, aber ich würde eher mit einem Menschen einziehen, den ich persönlich kenne und auch dessen Hintergrund. Lieber mit jemanden einziehen, der die gleichen Interessen oder Hobbys teilet und man miteinander auch Dinge unternehmen kann. Für mich war diese WG eher eine Zwecks-WG. Wir haben uns nie wirklich über unsere Interessen unterhalten. Wenn, dann ging’s immer nur um seine Probleme mit dem Ex oder was alles schlecht ist und ich möchte mein Leben nicht mit jemanden teilen, der ständig schlechte Vibes verbreitet.

Be careful.

Inzwischen wohne ich wieder zuhause, worüber man sich nicht schämen muss. Ich habe mein altes Schlafzimmer wieder, mein Büro und meine geliebte grosse Küche. Im Sommer werde ich dann nach einer neuen Wohnung Ausschau halten, sobald sich die Lage bisschen verbessert hat.

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