Zurich Pride Festival – Einblick aus einem anderen Winkel

Es ist wieder soweit: Wir kämpfen um ein weiteres Jahr um unsere Rechte.

Viele fragen sich oft: Wozu braucht es überhaupt eine Parade für uns Schwule, Lesben und andere Queers ? Wozu dieses ganze Tamtam ?

Nun, ich sage euch wieso wir eine Pride brauchen. Auch heute noch.

Wir können uns eigentlich glücklich schätzen, dass wir offen als Homosexuelle leben können. Wir müssen uns nicht verstecken, müssen nicht mit Angst auf die Strasse gehen, werden nicht verfolgt, gefoltert oder gar mit Steinen totgeschlagen, wie damals vor 50 Jahren oder noch früher. Und eigentlich sollten wir diejenigen ehren, die während der Stonewall-Zeit für unser heutiges Recht, unser heutiges Leben gekämpft haben und dabei umgekommen sind. Ohne sie würden wir noch heute in Angst und Schrecken leben. Klingt nun alles ein bisschen übertrieben, aber es ist so.

Noch gibt es Länder, die unsere sexuelle Orientierung nicht unterstützen und wo auf Schwulsein die Todesstrafe steht. Ich bin der Meinung, dass kein Mensch auf dieser Welt nur wegen seiner sexuellen Orientierung zum Tode verurteilt werden darf. Es geht hier und allein um die Liebe. Solange sich zwei Menschen von Herzen lieben, sollte unsere Sexualität keine Rolle spielen. Wenn heterosexuelle Paare heiraten dürfen, wieso nicht auch wir LGBTQ+ ?

Es geht aber nicht nur um die Ehe. Es geht heute noch darum, dass wir um Akzeptanz kämpfen. Ja, richtig gelesen: kämpfen müssen. Noch immer werden wir im Alltag diskriminiert. Immer mehr Jugendliche nehmen sich früh das Leben, weil sie sich nicht wohl fühlen in ihrer Haut und niemanden haben, an den sie sich wenden können. Man wird von seiner eigenen Familie ausgestossen, von ehemaligen Schulfreunden gehänselt oder am Arbeitsplatz gemobbt. Deswegen braucht es auch ein Coming Out.

Wenn ich so in den Medien lese wie 20Minuten in den Leserkommentaren, liest man oft „Wozu braucht es ein Coming-Out ?“

Solange wir in unsere Gesellschaft nicht als „normal“ anerkannt werden und nicht ständig rechtfertigen müssen, dass wir wie jeder andere auch, Mensch sind, solange müssen wir uns erkenntlich zeigen. Viele Stars wagen immer mehr den Schritt zum Coming Out, auch wenn man bei manchen es schon längst wissen dass sie Homosexuell ist. Dennoch ist es ein persönlicher Schritt und geht nicht immer um publicity, wie manche es gerne behaupten. Sich zu outen, heisst sich selber einmal mehr in der Öffentlichkeit zu zeigen und Vorallem, mehr Preis aus seinem/ihrem Privatleben zu präsentieren.

Viele wissen gar nicht, wie schwierig solch ein Schritt ist.

Klar, bei den Heteros braucht es kein Coming Out. Wir werden von Geburt an als Heterosexuelle auf die Welt kommen und erhalten automatisch diesen Stempel auf die Stirn gedrückt. Erst im Laufe der Zeit, während wir uns zum Kind, Teenager, Jugendlicher bis zum Erwachsenwerden, entwickeln wir unsere eigene Persönlichkeit und lernen so auch unsere Sexualität kennen und lieben. Manche merken sehr früh, dass sie sich im falschen Körper befinden oder sich für das gleiche Geschlecht lieben. Selbst der Spruch „Ich bin schwul geboren“, finde ich persönlich nicht ganz zutreffend.

Ich bin der Meinung dass wir alle als Mensch geboren. Punkt. Wie oder was wir lieben, das entwickelt sich im späteren Zeitpunkt. Selbst ich war damals mit meinen 14 Jahren noch unsicher, ob ich schwul bin oder gar bisexuell. Da ich damals in die Pfarrer’s Tochter mich unsterblich verliebt habe, die jedoch meine Liebe nie erwidert hat und mich nur als ihren besten „warmen“ Freund gesehen hat. Erst später in der Berufsschule entdeckte ich meine Liebe zum gleichen Geschlecht und das ist auch gut so wie es heute ist. Ich liebe Frauen aber ich könnte sexuell nichts mit einer Frau was anfangen, da mich der weiblicher Körper zwar optisch wundervoll finde, aber nicht nach mehr reizt.

Zurück zur Pride

Ich empfand das diesjährige Zurich Pride sehr friedlich. Lauter bunte Menschen, mit fröhlichen Gesichtern, in allen Form und Farben. So soll es auch sein. Die Pride ist ein friedliches Fest, eine Demostration für die Liebe und für die Menschen, die für uns gekämpft haben und gefallen sind. Die Pride ist für mich ein persönliches Highlight.

Es geht hier nicht um die Partys, sondern dass wir Hand-in-Hand, miteinander und füreinander für unsere Rechte einsetzen und auch etwas dafür bewirken.

Fazit: Solange wir nicht die gleichen Rechte was die Ehe betrifft haben, solange werden wir für unsere Rechte kämpfen, bis zu dem Tag wo wir uns glücklich schätzen können und nicht mehr dafür rechtfertigen müssen.

Ein Gedanke zu “Zurich Pride Festival – Einblick aus einem anderen Winkel

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